Feuerwehr Ratingen
04.03.08 Unter Druck...

Übungssituation

Die Theorie in der Winterpause ist überstanden. Endlich kommen wieder die praktischen Übungen. Um langsam wieder in Gang zu kommen, gab es zu Beginn der Praxiszeit erstmal eine GSG-Standard-Übung: Auffangen und Abdichten. Auch in Sachen "Schutzanzug" wurde erstmal vorsichtig mit der "leichten Schutzstufe" begonnen.

Als Übungsobjekt wurde ein auf eine Haspel montiertes Standrohr gewählt, durch das Wasser "falschherum" (vom B-Abgang zur Hydrantenklaue) geleitet wurde. Aufgabe der Mannschaft war es, einen Angriffstrupp auszurüsten, das austretenden "Medium" aufzufangen und das Rohr abzudichten. Was die Kollegen nicht wußten: Der oben liegende B-Abgang war auch leicht geöffnet, so dass kurze Zeit nach dem Abdichten eine zweite Leckage am obere B-Abgang auftauchen würde. Eine Manipulation der Armaturen oder eine Veränderung des Aufbaus waren nicht erlaubt.

Die Zuleitung war mit dem städtischen Wassernetz verbunden, so dass sich nach einer vollständigen Abdichtung in kurzer Zeit der statische Leitungsdruck von ca. 5 bar einstellen würde. Dies hatte schon in vielen anderen Übungen ein vollständiges Abdichten unmöglich gemacht. Wir waren gespannt, ob es diesmal klappen würde.




Übungsablauf und -ergebnisse

Nach kurzer Betrachtung der Situation ging es an die Vorbereitung. Ein Trupp wurde in die Schutzanzüge gepackt, der Rest beschäftigte sich mit der Vorbereitung der Utensilien zum Auffangen und Abdichten. Für das Auffangen wurde ein flexibler Trichter in Kombination mit einer PE-Wanne gewählt, zum Abdichten sollte ein Druckluft-Kegel dienen.







Die Installation des Trichters und der Auffangwanne ging schnell und sicher von der Hand. Auch der Druckluftkegel war schnell gesetzt, so dass die Lage als "gelöst" galt. Nur wenige Sekunden später zeigte sich jedoch die zweite Leckage am B-Abgang. Statt sich hier lange mit neuen Auffangmaßnahmen abzugeben, kam schnell die Entscheidung, eine B-Blindkupplung zum Abdichten einzusetzen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten...

Nahezu gleichzeitig mit der Dichtsetzung des B-Abgangs stieg der Druck im Leitungssystem an und drückte den Luftdruck-Kegel aus dem Standrohr. Damit war die zweite Leckage immer noch dicht, die erste jedoch wieder offen. Eine neue Lösung mußte her, um gegen den Leitungsdruck anzukommen. Der zunächst Erfolg versprechende Holzkegel war nach wenigen Sekunden sehr entgegenkommend (incl. dem dahinter gestauten Wasser). Erst die Sicherung des Holzkegels durch einen Spanngurt brachte den Erfolg.












Das Resultat: Der Holzkegel in Verbindung mit dem Spanngurt konnte dem Wasserdruck dauerhaft standhalten. Die Aufgabe war endgültig gelöst.




Während der Übung war aufgefallen, dass das Auffangen der Flüssigkeit unter dem B-Abgang zu größeren Problemen geführt hätte, weil kein brauchbarer Ansatzpunkt für den Trichter oder eine Folie zu finden war. Ehrgeiz und Experimentierfreude führten daher nach der eigentlich Übung schnell dazu, herauszufinden, wie es vielleicht doch funktionieren könnte... Mit dem flexiblen Trichter und einem Spanngurt ließ sich dieses Problem auch gut in den Griff bekommen. Wenn auch nicht alles, so doch das meiste Wasser konnte in den Trichter abgeleitet und in der danebenstehenden Wanne aufgefangen werden. Unter einem Schutzanzug wäre diese Arbeit jedoch wahrscheinlich sehr viel aufwändiger geworden, um das gleiche Resultat zu erzielen.





Hintergrundinformationen

Auffangen, abdichten und umpumpen sind die "Standards" bei einem GSG-Einsatz, um eine Schadenslage schrittweise in den Griff zu bekommen. Da diese Aufgabe je nach Schadenslage auch immer einen sehr flexiblen Umgang mit dem vorhandenen Material verlangt, ist eine solche Übung eine perfekte Grundlage, um die Fahrzeug- und Gerätekunde mit einer praktischen Übung zu kombinieren. Eine ähnliche Übung ist z.B. auch unter 07.08.07 Auffangen, Abdichten, Umpumpen dokumentiert.

Autor: Webmaster