18.09.07 Gerätebereitstellung
In dieser Übung sollte die betriebsfertige Bereitstellung einer Gefahrstoffumfüllpumpe incl. eines Potentialausgleichs geübt werden. Dabei kam es darauf an, die Pumpe und alle angeschlossenen Geräte so aufzubauen, dass sie von einem Angriffstrupp mit möglichst wenig Aufwand und möglichst großer Sicherheit vorgenommen und eingesetzt werden kann.
Zunächst wurde eine Folie als Arbeitsbereich ausgelegt. Der Vorschlag, das Material mit einer Sackkarre zu transportieren, wurde abgelehnt, da die Sackkarre nicht ex-geschützt ist. Statt dessen wurde eine Kunststoffwanne als Transportbehälter gewählt.
Da die Gefahrstoffumfüllpumpe (kurz: GUP) nicht selbstansaugend ist und demnach angeschüttet werden muß, wurde diskutiert, ob zum Anschütten die "Eimer-Lösung" oder die "Handmembranpumpen-Lösung" verwendet werden sollte. Allein aufgrund der Materialmenge und -masse wurde der "Eimer-Lösung" der Vorzug gegeben (Details s. Hintergrundinformationen).
Im ersten Versuch wurde zunächst die Pumpe incl. aller Schläuche und Armaturen in der Kunststoffwanne verstaut und anschließend der geforderte Potentialausgleich angebracht. Ein "freiwilliger" Trupp wurde bestimmt, der (ohne Schutzanzug) die Wanne über den Hof zum vermeintlichen Einsatzort bewegen sollte. Ein beid- oder einseitiges Heben der Wanne stellte sich aus Gewichtsgründen als unmöglich heraus. Statt dessen wurden kurze Seile an der Wanne befestigt, um diese hinter sich herschleifen zu können. Dieses Vorgehen führte schlußendlich zum Erfolg. Um die Pumpe mit Energie zu versorgen und den Potentialausgleich sicherzustellen, wurden beide Kabel vom Vorbereitungsort aus abgetrommelt. Hierfür wurde auch je ein Mann für die Kabeltrommel der Stromversorgung und für die Kabeltrommel des Potentialausgleichs abgestellt. So blieben die elektrischen Anschlüsse außerhalb des Gefahrenbereiches und konnten von hier aus ohne Mitwirken des Angriffstrupps bedient werden.
Ein weiterer "freiwillig bestimmter" Trupp hatte die Aufgabe, die Wanne wieder zurück in die Fahrzeughalle zu ziehen und dort die Pumpe in Stellung und in Betrieb zu setzen. Der bereits installierte Potentialausgleich stellte sich dabei als sehr hinderlich heraus. Die "Eimer-Lösung" beim Anschütten bewährte sich hingegen als effektive und effiziente Methode.
In einem zweiten Versuch wurde der Aufbau soweit abgewandelt, dass die für den Potentialausgleich notwendigen Verbindungen erst an der Einsatzstelle mit den Armaturen und der Pumpe verbunden wurden. Diese Lösung bedeutet zwar mehr Tätigkeiten für den Angriffstrupp, erzielte jedoch eine deutlich einfachere und sicherere Handhabung der Materialien beim Auspacken aus der Kunststoffwanne. In Summe war diese Lösung also deutlich praktischer und sicherer.
Die Diskussionen, die im Rahmen dieser Übung interessante und weitschweifende Ideen hervorbrachten, drehten sich vor allem um den (möglichst rollenden) Transport der schwer befüllten Kunststoffwanne. Die Vorschläge, einen Baum zu fällen, um daraus Walzen für den Transport zu basteln, oder zwei Bobby-Cars als rollenden Untersatz zu verwenden, wurden nur deshalb abgelehnt, weil Kettensäge und Bobby-Cars nicht zur Standardbeladung eines GWG gehören. ;-)
Der Angriffstrupp, der im Gefahrenbereich tätig wird, hat bei Verwendung eines Chemikalienschutzanzuges (kurz: CSA) nur eine sehr geringe Einsatzdauer von ca. 10 Minuten und ist durch den Anzug in Sicht und Handhabbarkeit der Materialien stark eingeschränkt. Deshalb sollen die von ihm zu verwendenden Geräte außerhalb des Gefahrenbereiches möglichst weit vorbereitet werden, so dass sie schnell und einfach vorgenommen und in Betrieb gesetzt werden können. Der Aufbau von Pumpen incl. der dazugehörigen Schläuche und Armaturen kann zu sehr umfangreichen Materialschlachten führen. Die einfache Aussage "Das wird außerhalb des Gefahrenbereiches vorbereitet und dann dem Angriffstrupp mitgegeben" sollte hier mit Leben gefüllt und deren praktische Umsetzung überprüft werden. Es ist dabei zu beachten, dass üblicherweise zwischen der Grenze des Gefahrenbereiches und dem eigentlichen Einsatzort ca. 50m vom Angriffstrupp mit dem gesamten Material zurückgelegt werden müssen. Hier gilt es zwischen "Hin- und Herlaufen" und "alles auf einmal schleppen" zu optimieren. Außerdem soll der eigentliche Zusammenbau-Aufwand reduziert werden, da dieser Zusammenbau unter CSA unverhältnismäßig kompliziert ist.
Die Gefahrstoffumfüllpumpe (GUP) kann die Flüssigkeit, die sie fördern soll, nicht selbständig durch den angeschlossenen Schlauch ansaugen. Statt dessen muß das Pumpengehäuse mit der Flüssigkeit (im GSG "Medium" genannt) gefüllt werden. Dies kann prinzipiell auf zwei Arten geschehen: In der "Eimer-Lösung" wird ein Stutzten am Pumpengehäuse geöffnet und das Medium aus einem Eimer über einen Trichter in die Pumpe gefüllt. Für diese Methode hatte man sich hier entschieden (s. Bilder). Dem gegenüber steht die "Handmembranpumpen-Lösung", bei der eine weitere handbetriebene Pumpe eingesetzt wird, um das Schlauch- und Pumpensystem mit Medium zu füllen und anschließend mit der GUP weiterzuarbeiten. Nachteil dieser Methode ist ein deutlich größerer Materialaufwand, da zusätzliches Schlauchmaterial und die Handmembranpumpe transportiert werden müssen. Daher hatte man sich hier gegen diese Lösung entschieden.
Der Potentialausgleich (manchmal auch "Erdung" genannt) dient dazu, elektrische Ladungsunterschiede zwischen den einzelnen Geräten und Armaturen auszugleichen. So wird eine elektrostatische Aufladung verhindert. Eine "elektrostatische Aufladung" - und Entladung - hat jeder schon einmal kennegelernt, der (bevorzugt im Winter) eine "gewischt" bekommen hat, wenn er z.B. beim Aussteigen aus dem Auto erst über den Sitz rutscht und anschließend die metallische Karosserie anfaßt. Die elektrostatische Aufladung entsteht, wenn elektrisch nicht leitende Medien gefördert werden. Die Entladung dieser Aufladung in Form eines kleinen Blitzes (=eine "gewischt" bekommen) kann bei brennbaren Stoffen dazu führen, dass eine zündfähige Gas- oder Dampfwolke gezündet wird und es so zu einer Explosion kommt. Um dieses zu verhindern, wird die elektrostatische Ladung über Kabel abgeleitet. Da hierdurch das elektrische Potential zwischen den verbundenen Geräten auf ein gleiches Niveau gebracht wird, sprechen die Fachleute vom "Potentialausgleich". Wenn das Leitungssystem gleichzeitig mit einem Erdleiter verbunden ist, kann auch von "Erdung" gesprochen werden.