Feuerwehr Ratingen
21.08.07 Rettung aus Schächten

Übungssituation

Die Menschenrettung stand in dieser Übung im Vordergrund. Es wurde angenommen, dass eine Person in einen Schacht eingestiegen war und in diesem ohnmächtig wurde, da sich dort Faulgase angesammelt hatten.

Der für die Übung von einem Kameraden des GSG-Zuges ausgewählte Raum befindet sich unter einem Gebäude und ist über einen schmalen Schacht erreichbar. Mit seinen Ausmaßen von ca. 1m Höhe und 3m Breite sind die Bewegungs- und Arbeitsmöglichkeiten in dem unbeleuchteten, fensterlosen Raum sehr stark eingeschränkt. Hinzu kommen Hindernisse durch Rohrleitungen. Nach ca. 30m verzweigt sich der Raum in mehrere Gänge, die jedoch nicht für die Übung genutzt wurden, da in diesem verzweigten und unübersichtlichen Bereich eine umfangreichere Eigensicherung notwendig gewesen wäre.




Übungsablauf und -ergebnisse

Nach wenigen Metern wurde die vermißte Person (ein Dummy) vom ersten vorgehenden Trupp gefunden und anschließend von insgesamt drei Kollegen unter Zuhilfenahme von Schlingen gerettet. Durch die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten mußte die Person mit dem Kopf voran transportiert werden, was bei der Verwendung von Bandschlingen problematisch ist, da der Kopf besonders gegen Abknicken geschützt werden muß und die Bandschlingen nicht - wie sonst üblich - an den Füßen sondern am Brustkorb oder den Armen angesetzt werden müssen. In diesem Fall mußte für die Befestigung der Bandschlingen der Brustkorb genutzt werden, da der etwas altersschwache Dummy schlichtweg keine Arme mehr besaß.

Der Einsatz einer Trage war aufgrund des sehr engen Schachtes, der zu dem Raum führt, nicht möglich. Ein Bergetuch, das hier sicherlich eine bessere Lösung dargestellt hätte, stand nicht zur Verfügung.










Die Einsatzkräfte sind bei dieser Übung unter umluftunabhängigem Atemschutz vorgegangen, um selbst nicht durch die (angenommenen) Faulgase gefährdet zu werden und den (real existierenden) aufgewirbelten Staub nicht einatmen zu müssen. Die Versorgung der "verletzten Person" mit Atemluft noch am Unfallort durch eine zusätzliche Maske oder ein zusätzliches Atemschutzgerät wurde nicht geübt.

Zweiter Übungsteil

Nach dem Abschluß der Rettungsübung wurde in dem Raum noch eine kurze Orientierungs- und Selbstsicherungsübung durchgeführt. Hierfür sicherten sich zwei Trupps durch Leinen am Schachteingang und gingen mit Handlampen so weit vor bis die Sicherungsleine vollständig ausgelegt war. Dort angekommen wurde die Handlampe ausgeschaltet, so daß nur noch das Nachleuchten der fluoreszierenden Helme als schwache Lichtquelle diente. Die Trupps entfernten sich ca. 3m von dem ausgelegten Seilende und mußten in der Dunkelheit zunächst das Seilende und anschließend entlang der Sicherung den Ausgang wiederfinden.

Hintergrundinformationen

Dieses Szenario ist in der Realität an solchen Stellen möglich, an denen Gase oder Dämpfe, die schwerer als Luft sind, in Schächte eindringen, sich dort als unsichtbarer "See" sammeln und den zum Atmen notwendigen Sauerstoff verdrängen. Wenn nun eine Person ohne umluftunabhängigen Atemschutz in diesen Raum steigt und die sauerstoffarme Luft einatmet, wird sie nach wenigen Atemzügen bewußtlos. Hierfür können z.B. Faulgase (Kanalisation, Biogasgewinnung etc.) oder auch Gase bei einem Unfall mit Gefahrgütern verantwortlich sein.

Einige tragische Unfälle in der Realität haben bereits gezeigt, dass diese tückische Falle schnell mehreren Personen zum Verhängnis werden kann, da auch zunächst Unbeteiligte, die der verunfallten Person zur Hilfe kommen wollen, durch den unsichtbaren Gassee zu Schaden kommen.

Weitere Informationen zu Arbeiten in engen Räumen (incl. eines Fallbeispiels auf Seite 2) finden Sie in den folgenden Unterlagen der Berufsgenossenschaften: exthttp://www.nextline.de/uploads/27/uhilfe7_03.pdf

Autor: Webmaster