Vorwort
Die Ausrichtung eines Berufsfeuerwehrtages soll den Jugendlichen den Alltag eines Feuerwehrmannes näher bringen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die allgemeinen Wacharbeiten sowie die spezielle Sachgebietsarbeit und die damit verbundene Verantwortung gelegt werden. Zusätzlich sollen die Jugendlichen ihre eigene Ausbildung an diesem Tag organisieren um Verantwortungsbewusstsein und Gruppendynamik zu fördern. Drei vorbereitete Einsatzübungen fordern den Jugendlichen Kreativität und Zusammenhalt ab.
Das Angebot richtet sich speziell an die ältesten Mitglieder der Jugendfeuerwehr, da bei diesen ein ausreichendes feuerwehrtechnisches Grundwissen vorausgesetzt werden kann.
Am 8.11.2008 war es wieder soweit. Zwölf der ältesten Mitglieder der Jugendfeuerwehr fanden sich früh morgens um 7:15h hoch motiviert auf der Feuer- und Rettungswache Ratingen ein, um ihren Dienst für die nächsten 24 Stunden anzutreten. Dem ein oder anderen war die frühe Stunde durchaus anzusehen, doch waren alle sehr gespannt auf den bevorstehenden Tag. Einige konnten mit der Routine aus dem letzten Jahr gelassen auf die Dinge die da kommen sollten warten, andere waren sichtlich gespannt…wann müssen wir raus?
Noch vor der allmorgendlichen Wachübergabe wurden zum ersten Mal die Positionen ausgelost, die die Jugendlichen im Falle eines Falles besetzen sollten. Sicher ist sicher, so sagten wir Betreuer und versuchten den Kindern klar zu machen, dass zur Simulation eines Berufsfeuerwehrtages auch durchaus mal eine „Null-Schicht“, also eine Schicht ohne Einsätze gehören kann ;-)
Um 8:00 Uhr versammelte sich dann die neue Schicht der „echten“ Feuerwehrmänner , die 1. Wachabteilung, in der Floriansstube, um dort die Wachübergabe zu vollziehen, d.h. jeder erfährt seine Position im Löschzug oder Rettungsdienst für die nächsten 24 Stunden und welche Aufgaben auf der Wache auszuführen sind.
Die Kinder hörten sehr aufmerksam zu, sollten sie sich doch entsprechend ihrer Position an ihren „großen“ Kollegen halten. Nachdem alle Aufgaben für diesen Tag verteilt waren, wurden die Jugendlichen auch direkt in die zu verrichtenden Arbeiten eingebunden. Einige halfen dabei, die vordere Alarmhalle zu säubern und zu wischen, andere halfen beim Check der Rettungsdienstfahrzeuge und wieder andere bereiteten das Frühstück für die gesamte Wachbesatzung vor, die inklusive der Betreuer der Jugendfeuerwehr 33 Personen zählte.
So, das war geschafft. Brötchen im Bauch, ohne einen Einsatz fahren zu müssen… herrlich entspannend. Nach dem Frühstück ging es dann an die Küchenreinigung und der Hof musste auch noch sauber gemacht werden…
10:33 Uhr: …ding - - - ding - - - ding-dang-dong… hallte plötzlich das vorher vereinbarte Alarmierungssignal für die Jugendfeuerwehr durch die Wache.
„ Einsatz für die Jugendfeuerwehr Ratingen, Feuer – Person in Gefahr, Gruitershof, Schwarzbachtal. Es rücken aus: 8.44.2, 8.33.1, 8.19.1“ sagte die Stimme aus den Lautsprechern.
Die Jugendlichen versuchten sich schnell wieder an Ihre gelosten Positionen zu erinnern und besetzten mehr oder weniger schnell die Ihnen zugewiesenen Fahrzeuge, während die „großen“ Feuerwehrmänner dieses Spektakel mit einem Schmunzeln im Gesicht beobachteten.
Natürlich ohne Sonderrechte bewegten sich die Feuerwehrautos im Zugverband in Richtung Schwarzbachtal. Dort solle ein Reitstall brennen und es würden noch Personen vermisst. Bei Eintreffen waren dicke Rachschwaden zu erkennen, die aus einem Scheunengebäude auf einem Bauerhof quillten. Der ansässige Landwirt kam sofort zum ersten Fahrzeug gestürmt und schrie hektisch auf unseren Gruppenführer Jan ein, seine Kinder hätten in der Scheune gespielt und sind jetzt noch da drin!!!
Befehle schallen über die Einsatzstelle. Der erste Angriffsttrupp rüstete sich aus (natürlich ohne Atemschutzmaske), verlegte sich seine Leitungen und war bereit zur Menschenrettung vorzugehen. Aber ohne Wasser? Was ist denn da los? Das mit der Wasserversorgung klappt irgendwie nicht. Hektik kommt auf. Mit Hilfe der Betreuer ist das Problem aber schnell gelöst. Endlich kann es los gehen.
Der Sondertrupp geht über die Drehleiter vor, um die angrenzenden Gebäude von oben vor einem übergreifen der Flammen zu schützen. Wasser- und Schlauchtrupp haben alle Hände voll zu tun, um die Wasserversorgung aufrecht zu erhalten und Leitungen für die nächsten Trupps zu verlegen.
Da! Der erste Vermisste wurde gefunden! Der Vater ist glücklich, vermisst aber immer noch das andere seiner zwei Kinder. Oh nein! Das Feuer hat auch auf einen benachbarten Reitstall über gegriffen. Nun ist schnelles Handeln gefragt. Zwei weitere „Atemschutz“-Trupps rüsten sich aus, um den ersten bei der Suche zu unterstützen.
Endlich wird auch der andere Sohn gefunden und siehe da! Überraschung! Ein Freund war auch noch mit verschwunden. Nach guten 20 Minuten konnten alle Personen gerettet werden und nach weiteren zehn Minuten war auch der „Brand“ gelöscht. Bei den Vermissten handelte es sich im Übrigen um die echten Kinder des Landwirtes und die Rauchschwaden wurden durch Nebelmaschinen erzeugt, ähnlich derer, die in Discos benutzt werden.
Nun wurde die Einsatzstelle wieder aufgeräumt und es ging zurück zur Wache. Dort wurden Schläuche gereinigt, der Hof weiter sauber gemacht und das Mittagessen mit Unterstützung der Betreuer zubereitet. Um Kraft für die nächsten Stunden zu tanken, soll der ein oder andere auch zwei oder gar dreimal von den äußerst schmackhaften Frikadellen mit Kartoffeln und Soße genascht haben… Auch wurde wieder eine neue Besetzung der Positionen ausgelost, um keinen Frust oder Langeweile aufkommen zu lassen.
So gegen 14:20 Uhr hatte bei dem ein oder anderen auch schon die „Fressnarkose“ eingesetzt, nichtsdestotrotz musste natürlich wieder alles auf Vordermann gebracht werden. Die Küche wurde aufgeräumt, die Tische abgewischt. Die Spülmasc…ding - - - ding - - - ding-dang-dong… „Einsatz für die Jugendfeuerwehr Ratingen, Technische Hilfeleistung – Person verschüttet, Westtangente Ecke Berliner Straße. Es rücken aus 8.44.2, 8.52.1, 8.19.1“
Mitten aus der Arbeit wurden die Kinder gerufen. Alle freuten sich, wussten sie wohl noch nicht, dass die Arbeit nach dem Einsatz wieder auf sie wartete…
Auch dieses Mal verzichteten wir auf der Anfahrt auf die Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechten. Eine Gefährdung anderer im Straßenverkehr ist für solche Übungen nicht zu vertreten.
Ein Mitarbeiter der Stadtwerke Ratingen ist bei Arbeiten in einem Fernwärmeschacht so unglücklich gestürzt, dass er vermutlich Verletzungen an der Wirbelsäule davon getragen hat und sich nicht bewegen kann. Der Zugang zu diesem Schacht ist allerdings nur gut 70cm breit, sodass eine technisch aufwendige Rettung durchgeführt werden musste, um eine Lähmung des Verunglückten nicht zu riskieren.
Der Schacht wurde belüftet und mit einem Messgerät das ausreichende Vorhandensein von Sauerstoff und das nicht Vorhandensein explosionsfähiger Gemische überprüft. Mithilfe von Bergsteigergurten, einem Flaschenzug und einem Dreibein wurden zwei der Jugendlichen in den Schacht heruntergelassen. Im Schacht selber herrschten reale 55°C Umgebungstemperatur, sodass die Übung einem Saunaaufenthalt gleich kam.
Zusätzlich wurde noch eine Schaufeltrage in den Schacht abgelassen. Unten konnten dann die beiden Jugendfeuerwehrmänner die vorher platzierte Puppe in die Trage einbinden und wieder durch die kleine Öffnung ans Tageslicht holen lassen. Als der „Patient“ dann schließlich versorgt und auf eine Trage umgebettet worden war, wurden auch die „Retter aus der Tiefe“ wieder an die frische Luft geholt. Sichtlich fertig von den Temperaturen waren sie trotzdem froh, dass alles so gut geklappt hat.
Alles einpacken und zurück zur Wache. Natürlich war die Küche noch nicht fertig, also ran an die Arbeit. Die Gruppe teilte sich wieder, so dass einige schon mal das Nachtlager vorbereiten konnten.
Allerdings gab es doch ein oder zwei, die sich mit der Arbeit so absolut nicht anfreunden konnten und sich lieber den Betreuern und den „großen“ Feuerwehrmännern beim Fußballtennis auf dem Hof anschlossen. Da die Jugendlichen aber auch lernen sollen, mit Konfliktsituationen umzugehen, war auch dies bald aus der Welt geschafft, wenn auch nicht ohne Grummeln.
Schließlich so gegen 17:30 Uhr konnten sich dann alle dem Spiel auf dem Hof anschließen. Ball annehmen, abspielen, und rüber damit. Ein Punkt! Ach nein, der hat den noch gekriegt, und wieder annehmen, abspielen und rüb… ding - - - ding - - - ding-dang-dong… „Einsatz für die Jugendfeuerwehr Ratingen, überörtliche Hilfeleistung, besetzen sie die Feuerwache Mettmann. Es rücken aus. 8.44.2, 8.19.1“ Viele hatten schon ihr Sportzeug an und waren völlig überfordert so schnell ihre Einsatzklammotten wieder zu finden. Blitzschnell musste aber auch das aufgebaute Netz wieder abgebaut werden. Gottseidank halfen dabei die „großen“ Kollegen.
Wo fahren wir hin? Was ist da? Ich hab das nicht mitbekommen! Fragen über Fragen auf dem Weg zur Feuerwache Mettmann. Dort hatte, natürlich rein fiktiv, ein größeres Schadenereignis stattgefunden, so dass die Jugendfeuerwehr die Wache der Nachbarstadt besetzen sollte um dort den Brandschutz sicher zu stellen. Bei eintreffen stand auf dem Hof gerade das neue Hubrettungsfahrzeug der Feuerwehr Mettmann, ein Gelenkmast der Firma Bronto mit einer Gesamthöhe von 32 Metern. Nach ein paar netten Worten mit dem Maschinisten durfte jeder mal Mettmann aus 32 Metern Höhe bei Nacht bewundern. Ein Highlight.
Nach einer kurzen Besichtigung der Fahrzeughalle, konnten sich die Jugendlichen dann ein Bild von der Kreisleitstelle machen, die sich ebenfalls in diesem Gebäude befindet. Einer der diensthabenden Disponenten wurde mit Fragen gelöchert und gab bereitwillig Auskunft. Während Notrufe über die 112 hereinkamen waren aber alle vorbildlich ruhig. Zum Abschluss konnten noch einmal alle durch die Atemschutzübungsstrecke des Kreises Mettmann kriechen um schließlich wieder den Heimweg nach Ratingen anzutreten.
Wieder zu Hause legten sich viele erst mal in ihr Bett um sich von dem anstrengenden Tag zu erholen. Aber die Nacht sollte ja noch kommen…
Mit lustigen Gruppenspielen, die teilweise auch das Geschick der Jugendlichen erforderten wurden alle bei Laune gehalten, damit sich keiner schon verfrüht ausschläft und nachts gar hellwach ist! Nachdem dann noch mal gelost wurde, zogen wir Betreuer uns gegen 23:00 Uhr zurück, sodass auch wir mal etwas ausspannen und uns erholen konnten. Da die Kinder aber den Nachteinsatz erwarteten, blieb uns nur eine Stunde, denn auch dieser musste wieder vorbereitet werden.
Die fiel allerdings ziemlich leicht. Dieser außerplanmäßige Einsatz wurde von den Jugendlichen quasi provoziert: „da brennt ja eh wieder der gleiche Mülleimer wie letztes Jahr…“. Über den dunklen Hof konnten wir die Jugendlichen beobachten, wie sie am Fenster ihrer Unterkunft auf unsere treiben und Vorbereiten wartete. Wir wollten sie nicht enttäuschen. Sehr auffällig für jemand vom Hof. Mit viel Licht und viel Getöse alarmierten wir die Kinder gegen 00:12 Uhr über Funkmeldeempfänger: „Einsatz für die Jugendfeuerwehr Ratingen, brennt Papiercontainer, Gothaer Straße“.
Da alle Kinder wach und angezogen waren ging alles sehr schnell. Ausrücken, Eintreffen, Lage erkunden. Brennt Teelicht im Mülleimer… Die Jugendfeuerwehr kippte den Inhalt einer Kübelspritze aus, um das „Feuer“ zu löschen. Sichtlich enttäuscht traten alle den Heimweg an, die hatten wohl mehr erwartet. Nachdem man noch weitere Minuten den Hof beobachtet hatte, legten sich dann aber alle schlafen. Endlich Ruhe… oder?
Nach gut dreieinhalb Stunden Schlaf wurden die Kinder um 4:32 Uhr durch lautes Gedudel aus ihren Funkmeldeempfängern geweckt. „Einsatz für die Jugendfeuerwehr Ratingen, brennt Gartenhaus in voller Ausdehnung, Gruitersweg“.
Schlaftrunken trabten alle zu ihren Fahrzeugen. „Nicht ansprechen!“, mahnte einer sogar. Auf der Anfahrt war bereits früh ein Feuerschein auszumachen. Da es sich bei diesem Übungseinsatz um ein reales Feuer handelte, wussten alle, dass sie sich besonders vorsichtig verhalten mussten. Bei Eintreffen wurde sofort jeder eingebunden, sodass sich schliesslich vier C-Rohre im Einsatz befanden und das Feuer gelöscht werden konnte.
Für dieses Szenario hatten die Helfer sich besondere Mühe gegeben und aus Einwegpaletten ein kleines Gartenhaus gezimmert. Auf Grund der Witterungsverhältnisse hat es leider nicht funktioniert, dass die Feuerwehr eintraf, als die Flammen am größten waren, sondern etwas später. Dennoch hat die Jugendfeuerwehr voll motiviert gearbeitet.
Nach diesem Einsatz war nicht mehr an schlafen zu denken. Wieder mussten Schläuche gereinigt, die benutzen Schlaf- und Sozialräume gesäubert und die benutzen Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht werden.
Nun war niemand mehr da, der noch wirklich fit aussah, auch nicht die Betreuer. Und alle waren froh, dass ihre Dienstschicht um 8:00 Uhr endete und man nach Hause durfte. Auch die Betreuer…
Nachwort:
In Anbetracht der Tatsache, dass alle geleisteten Übungseinsätze absolut nicht in den Alltag eines Jugendfeuerwehrmannes gehören, haben die Jugendlichen hier hervorragende Arbeit geleistet. Das Miteinander, die Stressbewältigung und auch die Konfliktbewältigung haben an diesem Tag außergewöhnlich gut funktioniert.
An dieser Stelle möchte die Jugendfeuerwehr Ratingen noch einmal allen Beteiligten und Gönnern dieses Ereignisses herzlich danken. Ohne die Befürwortung der Jugendarbeit wäre ein großer Teil der Übungen so nicht möglich gewesen.
Ein besonderer Danke geht an die freiwilligen Helfer und an die Stadtwerke Ratingen sowie Frank Wester, die uns beide die Möglichkeit gegeben haben, auf ihren Liegenschaften zu üben.
Autor: Dirk Winskowski